Greenfields Buckow: Holz weckt Emotionen
Ein Interview mit den Holzexperten von b-solution
Holz ist ein Thema, das viele verschiedene Emotionen hervorruft – darunter die Erinnerung an einen offenen Kamin, der tröstet und wärmt. Auch in Berghütten ist Holz als Baustoff ein wichtiger Faktor: Es sorgt im Sommer für Kühle und im Winter für sicheren Schutz vor Kälte. Holz beschäftigt auch Politiker*innen und Expert*innen, denn es könnte die Bauindustrie, wie wir sie heute kennen, verändern. Wenn es um Holzbau geht, gehört Berlin zu den Hotspots für modernen Holzbau in Europa. Hier in der Hauptstadt entsteht das Generationenquartier Greenfields Buckow – ein Projekt, das die besten Eigenschaften von Holz in Bezug auf Nachhaltigkeit und Lebensqualität für seine Bewohner zur Geltung bringt.
Ökologisch bauen mit Brettsperrholz (BBS)
Einer der großen Vorteile des Holzeinsatzes ist sicher der ökologische Aspekt, der im Bauwesen in den letzten Jahren sehr stark an Bedeutung gewonnen hat. Holz ist ein zentraler Bestandteil des architektonischen Konzepts von Greenfields Buckow. Insbesondere kommt hier Brettsperrholz (BBS) zum Einsatz – ein Material, das durch seine Stabilität und Vielseitigkeit überzeugt und einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen leistet.
Für die Umsetzung dieses Bauprojekts in Holzsystem-Bauweise ist der österreichische Holzbauspezialist b_solution, ein Tochterunternehmen der international tätigen binderholz Gruppe, zuständig. Dabei geht es um eine individuell konfigurierbare Systembaulösung aus vorgefertigten Massivholzkomponenten für den mehrgeschossigen Wohnbau.
„Der ganze Prozess beginnt für uns im Wald. Wenn Bäume wachsen, nehmen sie CO₂ aus der Atmosphäre auf und binden den Kohlenstoff im Holz, aus dem die BBS-Bretter und die vorgefertigten Holzelemente für die Realisierung des Projekts hergestellt werden“, erklärt der Geschäftsführer Helmut Spiehs.
Insgesamt werden beim Projekt Greenfields Buckow 3.780 m³ Holz verbaut, in denen ca. 2.900 Tonnen CO₂ gebunden sind. Das bedeutet, dass durch die CO₂- Speicherung des verbauten Holzes die durchschnittlichen CO₂-Emissionen der 106 Haushalten in Greenfields Buckow rechnerisch für etwa drei Jahre kompensiert werden. Ein wichtiger Aspekt auch im Hinblick auf die EPD-Zertifizierung* aller Massivholz-Produkte des Holzbauunternehmens.
Das Bauprojekt der GLS Bank und der Bürgerstadt AG leistet nicht nur einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion von CO₂-Emissionen, sondern überzeugt auch durch seine innovative Bauweise, die die Rückbaubarkeit aller Bestandteile ermöglicht. So kann ein solches mit Brettsperrholz gebautes Gebäude über 100 Jahre bestehen und ist am Ende seines Lebenszyklus immer noch rückbaubar. Die Bauteile lassen sich entweder direkt wiederverwenden oder nach dem Zuschneiden für neue Projekte nutzen.
„Wir verarbeiten das Holz vollständig, um daraus rückbaufähige und kreislauffähige Gebäudesysteme herzustellen.“
Als eine der weltweit größten Holzindustrien betreiben die binderholz Gruppe und ihre Tochtergesellschaft b_solution kein eigenes Forstgebiet, sind aber ein großer Einkäufer von Bäumen in Europa. „Wir unterstützen europäische Waldbesitzer durch ökologische Durchforstung und nachhaltige Wiederaufforstung in der Umgebung unserer Sägewerke. Dabei ist es uns wichtig, dass kein Kahlschlag mehr erfolgt – nur erntereife Bäume werden aus dem Wald geholt, um durch jüngere ersetzt zu werden. So gewährleisten wir nachhaltiges Forstmanagement und sorgen für langfristig gesunde Wälder.“
Bei dem Projekt „Greenfields Buckow” wird vor allem heimisches Fichtenholz aus einem Sägewerk bei Berlin verwendet. Bei dem Massivholzprodukt BBSBrettsperrholz werden unterschiedlich lange Holzbretter entsprechend behandelt, gehobelt, sortiert und zusammengeklebt. Dabei kommt eine sehr moderne Klebetechnik zum Einsatz, die die Bretter statisch lasttragfähig macht. Der chemische Anteil des verwendeten Klebers ist so gering, dass alle Produkte von b_solution und binderholz am Ende ihres Lebenszyklus in kontrollierten Brandanlagen verbrennbar und kompostierbar sind. Dadurch wird der ökologische Aspekt nicht beeinträchtigt.
Greenfields Buckow punktet nicht nur mit Ökologie, sondern auch mit mehr Wohlbefinden für alle Bewohner*innen.
Holz ist ein vollkommen unbelastetes, natürliches Baumaterial, das für Wohlbefinden und Wohnbehaglichkeit steht. Ein Holzhaus wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus: Zusammen mit den hervorragenden Eigenschaften der Holzmasse als Wärme- und Feuchtespeicher garantieren die warmen Holzoberflächen ein ausgeglichenes Wohnklima und ein hohes Maß an Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden.
Mit Massivholzprodukten und Baulösungen von binderholz und b_solution entstehen darüber hinaus Bauprojekte, die alle technischen Anforderungen an die Bauphysik, den Brand-, Schall- und Wärmeschutz sowie die Feuchtigkeitsregulierung erfüllen.
Vielfalt gestalten
Die Arbeit an „Greenfields Buckow“ war von Anfang an geprägt vom Anspruch ökologische wie auch soziale Nachhaltigkeit im gleichen Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Das Baugrundstück bringt darüber hinaus eine besondere städtebauliche Aufgabe mit: Es liegt zentral im neuen Stadtquartier und birgt die Chance, zum identitätsstiftenden Zentrum zu werden. Deshalb wurde der begrünte Hof im Zentrum des Grundstücks als halböffentliche Fläche definiert, die auch den Anwohnerinnen und Anwohnern der Umgebung zur Verfügung steht. Dieses „Zentrum im Innenhof“ ergänzt die Begegnungszonen auf den kleineren, im Quartier verstreuten Plätzen. An diesen Orten zeigt sich die gewünschte Urbanität mit höheren Punktbauten und Gewerbeflächen im Erdgeschoss.
Das Projekt verfolgt ein zweigeteiltes Ziel: Es soll eine größtmögliche soziale Durchmischung fördern – dank unterschiedlicher Wohntypologien. Diese Diversität soll auch städtebaulich leicht ablesbar sein. Der Bebauungsplan gab enge städtebauliche Rahmenbedingungen vor. Die Herausforderung bestand darin, innerhalb dieses Rahmens eine eher kleinteilige Maßstäblichkeit zu erzeugen, die den Bewohnerinnen und Bewohnern – und damit der Idee des Projekts – gerecht wird. Ziel war eine einladende, familiäre Atmosphäre zu schaffen und gleichzeitig maximale Flächeneffizienz zu gewährleisten.
Erreicht haben wir das durch zwei Kern-Strategien:
- Die sinnvolle Verteilung der unterschiedlichen Wohntypologien.
- Die klare Strukturierung der Gebäude einschließlich der dafür notwendigen Erschließungen.
Um lange Straßenfluchten zu vermeiden, wurden die einzelnen Baukörper leicht gegeneinander verschoben. Im gemeinsamen Innenhof sollen Begegnungsräume entstehen, die für eine hohe Aufenthaltsqualität sorgen. Nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner sollen sich hier wohl fühlen, sondern auch die umgebende Nachbarschaft. Die Kopfgebäude haben wir deshalb leicht zueinander gedreht und dadurch die Zugänge zum Hof intuitiv erkennbar gemacht.
Um die gewünschte Aufenthaltsqualität zu erreichen, erschien es uns unabdingbar, den Innenhof vom motorisierten Individualverkehr freizuhalten. Ebenso wichtig war es, den Bereich so weit wie möglich zu begrünen, wobei Zonen mit öffentlichen und solche mit halböffentlichen Grünflächen entstehen sollten. Die Zonierung erfolgt subtil: Die einzelnen Baukörper werden auf „grünen Schollen“ platziert, die den jeweiligen Hausgemeinschaften zugeordnet sind. Durch das freiraumplanerische Konzept wird in der Folge Gemeinschaft auf den unterschiedlichsten Ebenen möglich – nach dem Prinzip „Nichts-muss-alles-kann“.
Das Projekt verlangte uns bei Partner und Partner Architektur eine hohe Gestaltungsdisziplin ab – schließlich war ein klar definiertes Baukastensystem gesetzt. Im Ergebnis zeigt es exemplarisch, dass Systembau einerseits und Vielfalt, sowie ein menschlicher Maßstab andererseits, sich keineswegs ausschließen müssen.